Multilokales Wohnen in der Schweiz

Bewegte Praxis im Wechselspiel physisch-materieller, sozialer und biografischer Bedingungen

Ausgangspunkt des Projektes ist die Beobachtung, dass immer mehr Menschen multilokal, d. h. an mehreren Wohnstandorten, leben. Entstehung und Ausprägungsformen multilokalen Wohnens stehen in Zusammenhang mit dem beschleunigten sozialen Wandel der Spätmoderne. Multilokales Wohnen ist für zahlreiche gesellschaftliche Praxisfelder von enormer Tragweite. Auf der individuellen Ebene beeinflusst das Phänomen eine Vielzahl an Lebensbereichen: Wohnen, Arbeit, Freizeit, soziale Beziehungen u. a. m. Zugleich ist multilokales Wohnen eine konkrete, aktiv gewählte Form der Lebensgestaltung, deren Akteure in bedeutsamer Wechselwirkung mit Prozessen und Bedingungen der spätmodernen westlichen Gegenwartsgesellschaft stehen. Auf der strukturellen Ebene steht multilokales Wohnen in vielfältiger Wechselbeziehung mit gesellschaftlichen Handlungsfeldern bzw. Systemen, die alle auch die Setzung der Rahmenbedingungen dieser Lebensform mitverantworten: Wirtschaft, Politik, Recht u. a. m. Im Kontext des Projektes sind insbesondere die Wohnungswirtschaft sowie die Planung zu nennen. Die Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der gesellschaftlichen Relevanz und dem qualifizierten Wissen über das Phänomen des multilokalen Wohnens indes ist gross.

Vor diesem Hintergrund verfolgt das explorativ angelegte Projekt drei Ziele: 1) Erfassung von Grössenordnungen, Soziodemografie und Organisationsformen; 2) Erfassung von Motiven, Alltagspraktiken und subjektiven Bedeutungen; 3) (Weiter-)Entwicklung theoretischer und methodologischer Konzepte zum Verständnis des multilokalen Wohnens als eigenständige sozial-räumliche Strategie im Rahmen eines zu etablierenden Forschungsprogramms Multilocality Studies.

Das Phänomen ist komplex, dynamisch und bisher auch theoretisch kaum erforscht. Daher stützt sich das Projektvorhaben auf verschiedene theoretische Konzepte aus unterschiedlichen Forschungsfeldern. Der methodische Ansatz besteht aus zwei quantitativen sowie zwei qualitativen Zugängen, welche im Rahmen der Forschungsstrategie der Triangulation eng aufeinander abgestimmt zur Anwendung kommen: 1) sekundärstatistische Auswertungen, 2) quantitative Primärerhebung, 3) leitfadengestützte Interviews sowie 4) Fotobefragung.

Die Forschungsergebnisse werden einerseits wichtige Grundlagen für weiterführende gesellschaftsrelevante und praxisnahe Forschung zum Phänomen der zunehmend raum-zeitlich getrennten Lebenswelten in der Spätmoderne liefern. Andererseits wird es wichtige Anregungen und Handlungsgrundlagen für diese und weitere gesellschaftliche Praxisfelder schaffen. 
Artikel NZZ 25. Mai 2014
Medienmitteilung vom 16. Juni 2015
Rapport des médias 16 juin 2015
Artikel "Blick", 16. Juni 2015
Artikel "Swiss-Architects", 19. Juni 2015

Laufzeit: 
2012 bis 2014