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Der Raum als Medium
© Foto: PhotoCase.com Erkenntnisinteresse dieses theoretisch angelegten Forschungsvorhabens ist die Auseinandersetzung mit dem Raum als Medium der Wahrnehmung, des Erlebens und der Aneignung. Über den Begriff des Raumes lassen sich epistemologische Aussagen über das Verhältnis zwischen Mensch und Raum treffen, die den kultur- und sozialwissenschaftlichen Diskurs für die an der gebauten Umwelt beteiligten Disziplinen erweitern. Zur Erhellung des Mediums "Raum" werden Ansätze aus geistes-, sozial- und naturwissenschaftlichen Disziplinen sowie aus der Architektur aufgearbeitet und zu einem interdisziplinären Raumbegriff zusammen geführt. Synthese und Synergie dieser Begriffsentwicklung beruhen auf einem Interagieren von (I) erlebtem (lived space), (II) wahrgenommenem (perceived space) und (III) gebautem Raum (conceived space). Eine solche "Raum-Triade" dient als methodologisches und am Menschen orientiertes Rüstzeug und basiert auf der Annahme, dass ein mehrdimensionaler Raumbegriff vonnöten ist, um der Komplexität der tatsächlichen Lebensverhältnisse gerecht zu werden. Ausgangspunkt ist das Fehlen eines Raumbegriffes, der in einem transdisziplinären und lebensweltlichen Denk- und Anwendungszusammenhang zwischen Architektur und Humanwissenschaften operationalisierbar ist. Dies ist zum einen auf die nicht hinreichende Differenzierung des bestehenden Raumbegriffes durch die wissenschaftlichen Disziplinen zurückzuführen. Zum anderen fehlt es an einer Fächer übergreifenden Theoriebildung, die die Bedürfnisse des Menschen in seiner leiblichen Existenz berücksichtigt und gleichzeitig dem spätmodernen Lebens- und Wissenschaftskontext Rechnung trägt. Ein Ausweg aus disziplinären Dilemmata stellt einer an den Bedürfnissen des Menschen orientierter, ganzheitlicher Raumbegriff dar. Der seit den 1980er Jahren aufgekommene Begriff des "spatial turns" begründet die Veränderungen des anthropologischen Parameters Raum: Durch die Verbreitung von Hochgeschwindigkeitsverkehrsmitteln, durch virtuelle Räume und die Auswirkungen der Globalisierung verändern sich räumliche Bezüge. Räume werden transparenter und hybrider und ihre Erforschung verwehrt sich dem Zugang durch je eine einzelne Disziplin. Das Potential der Cultural Studies als Theorie der Interdisziplinarität, wie es im Forschungsvorhaben umgesetzt werden soll, dient dabei als Lokalisierung des eigenen Standpunktes und des eigenen Vorgehens. Das Forschungsprojekt gliedert sich in vier Phasen: In der ersten Phase werden die Grundlagen für die Theoriebildung erarbeitet. Mit Hilfe von diskursanalytischen und phänomenologisch orientierten Zugängen aus der Wissenssoziologie werden wichtige Elemente der Theoriebildung erschlossen und in ein methodologisches und theoretisches Rüstzeug überführt. Die zweite Phase setzt sich mit den Begriffen "Raum als Medium" auseinander und erarbeitet auf einer Meta-Ebene medientheoretische und lebensweltliche Potentiale: Ziel ist die Erstellung eines reflexiven Analysekonzeptes, das dem Anspruch des Menschen in seiner Wahrnehmung, in seinem Erleben und in seiner Aneignung von Raum Rechnung trägt. Dieses Analysekonzept soll disziplinäre Paradigmen dekonstruieren und gleichzeitig theoretische Vorarbeiten zu einer subjektorientierten, synthetischen und synergetischen Raumtheorie leisten. Die dritte Phase stellt die mehrstufige Durchführung einer wissenssoziologischen Diskursanalyse entlang erkenntnistheoretischer Etappen dar: Dabei werden wissenschaftsgeschichtlich bedeutsame theoretische Raumüberlegungen exemplarisch vorgestellt, von denen eine Wissenstransferleistung ausging. Ziel dieser Analyse ist die Evaluation der Raum-Triade durch differenzierte Unterteilung in (mathematische, physikalische und philosophische) Raumtheorie, (geographische) Raumentwicklung, (phänomenologische, psychologische und kulturwissenschaftliche) Raumwahrnehmung, (soziologische) Raumaneignung sowie (architektonische) Raumgestaltung und -planung. Die vierte Phase stellt die medientheoretischen, selbstreflexiven und diskursanalytischen Ergebnisse in einen transdisziplinären Zusammenhang und erarbeitet eine interdisziplinäre Raumtheorie. Ihr Anwendungsbezug für die Architektur besteht auf theoretischer Ebene in einer metadisziplinären Reflexion über das Verhältnis zwischen Mensch und Raum. Auf anwendungsbezogener Ebene werden am konkreten Beispiel der Agglomerationsentwicklung Potentiale für eine nachhaltige Raumentwicklung erarbeitet, die planerische, gestalterische und methodologische Implikationen beinhalten: Ziel ist dabei die internationale und transdisziplinäre Vernetzung von Wissensbeständen über den Raum und der gleichzeitige Aufbau eines Netzwerkes von Spezialisten, deren Forschungen der Evaluation der Raum-Triade dienen. Johanna Rolshoven: Von der Kulturraumforschung zur Raumkulturforschung. Theoretische Herausforderungen an eine Kultur- und Sozialwissenschaft desAlltags. In: Zeitschrift für Volkskunde II (2003), 189-213. Stephanie Weiss: Orte und Nicht-Orte. Kulturanthropologische Anmerkungenzu Marc Augé. Mainz 2005 Kontakt
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